Die KI darf nicht mehr sehen als der Nutzer
Eine Kollegin aus dem Vertrieb fragt nach einer internen Vergütungsregel. Wenn das Suchsystem dabei vertrauliche Personalunterlagen an das Modell übergibt, ist die Grenze bereits überschritten, selbst wenn der spätere Text keine direkte Quelle nennt.
Die Zugriffsprüfung gehört deshalb vor die Übergabe der Fundstellen. Eine Anweisung wie „zeige keine geheimen Informationen“ ist kein Ersatz für technische Rechte. Das gilt auch für Zusammenfassungen, Dateititel und Suchvorschläge.
Rechte müssen bis zum Suchbestand reichen
Microsoft beschreibt dokumentbezogene Zugriffskontrolle für Azure AI Search. Welche Mechanismen verfügbar sind, hängt unter anderem von Datenquelle und Konfiguration ab. Dokumentation. Daraus sollte keine automatische Übernahme aller Rechte in jedes beliebige RAG-System abgeleitet werden.
Prüfen Sie konkret, wie Identitäten, Gruppen und Dokumentrechte verbunden werden. Wenn Dateien in einen neuen Index kopiert werden, braucht auch dieser Bestand die passende Zuordnung. Ein gemeinsames technisches Lesekonto kann sonst mehr Inhalte sehen als die einzelnen Nutzer.
Vier Fälle für einen Berechtigungstest
- Eine berechtigte Person erhält die passende Antwort mit zugänglicher Quelle.
- Eine unberechtigte Person bekommt weder Inhalt noch vertraulichen Titel.
- Nach Entzug einer Berechtigung verschwindet der Zugriff auch aus der Suche.
- Ein kopierter Quellenlink ist für ein fremdes Konto nicht lesbar.
Verwenden Sie dafür ausdrücklich angelegte Testkonten. Ein Test nur mit einem Administratorkonto kann fehlende Filter nicht aufdecken.
Zwischenspeicher und Verlauf nicht vergessen
Wenn Antworten zwischengespeichert werden, dürfen sie nicht an Nutzer mit anderen Rechten weitergegeben werden. Auch ein geteilter Chatverlauf kann Inhalte enthalten, auf die ein neuer Teilnehmer keinen Zugriff haben soll. Legen Sie fest, wie solche Verläufe behandelt werden.
Beim Wechsel einer Rolle muss klar sein, wann die Änderung wirksam wird. Ein nächtlicher Abgleich kann für manche Informationen ausreichen, für andere ist diese Verzögerung zu lang. Das ist eine Anforderung an den konkreten Einsatz.
Wenige Gruppen verständlich halten
Beginnen Sie möglichst mit nachvollziehbaren Nutzergruppen und einem begrenzten Wissensbereich. Viele individuelle Ausnahmen machen die Pflege schwer. Dokumentieren Sie, wer Gruppenmitgliedschaften freigibt und überprüft.
Vor dem Ausbau sollte ein Rechtewechsel praktisch getestet sein. Die entscheidende Frage lautet: Kann eine Person nach Entzug ihres Zugangs die Information noch über Suche, Antwortverlauf oder Quellenlink erreichen? Erst wenn diese Wege geprüft sind, lässt sich der Schutz des Wissensbestands beurteilen.
Quellen und weiterführende Grundlagen
Über den Autor
Julian Süllner hat Provehor gegründet und führt das Unternehmen als Geschäftsführer. Er verantwortet Produktentwicklung, Kundenprojekte und die Ratgeber auf dieser Website.