Das Wichtigste in Kürze
- Stichprobe: 54 Fernschulen und Weiterbildungsanbieter aus dem Mitgliederverzeichnis des Bundesverbands der Fernstudienanbieter. 51 Websites waren für uns erreichbar.
- KI-Lernbegleitung: 6 von 51 Anbietern bieten Teilnehmenden einen KI-Lernbegleiter, KI-Tutor oder eine Lern-App mit KI an.
- KI bei der Korrektur: Keiner der 51 Anbieter schreibt öffentlich, dass KI Einsendeaufgaben korrigiert oder bewertet.
- Regeln für Teilnehmende: 2 von 51 Anbietern veröffentlichen, ob und wofür Teilnehmende KI nutzen dürfen.
- Stichtag: Abruf am 19.10.2026, Nachprüfung aller Fundstellen am 21.10.2026.
Das Ergebnis in Zahlen
| Merkmal | Anbieter | Anteil |
|---|---|---|
| KI-Lernbegleiter, KI-Tutor oder Lern-App mit KI für Teilnehmende | 6 von 51 | 12 % |
| KI bei Korrektur oder Bewertung von Einsendeaufgaben erwähnt | 0 von 51 | 0 % |
| Veröffentlichte Regel zur KI-Nutzung durch Teilnehmende | 2 von 51 | 4 % |
| Ausdrücklicher Verzicht auf KI-Lernbegleiter | 1 von 51 | 2 % |
Gezählt haben wir nur, was auf der Website des Anbieters selbst steht. Ein Anbieter kann in mehreren Zeilen vorkommen. Das DAA-Technikum etwa bietet eine Lern-App mit KI an und veröffentlicht zugleich eine Regel zur KI-Nutzung.
Die Fundstellen im Einzelnen
Namentlich genannt sind nur Anbieter, bei denen wir einen Beleg gefunden haben. Die rechte Spalte gibt wieder, was die verlinkte Seite sagt.
| Anbieter | Merkmal | Was die Website sagt |
|---|---|---|
| ILS Institut für Lernsysteme | KI-Lernbegleitung | KILEA beantwortet Fragen zu den Studienheften, erklärt Fachbegriffe und entwirft Übungen zur Prüfungsvorbereitung. Bei Bedarf lässt sich aus KILEA heraus die Fernlehrerin oder der Fernlehrer hinzuziehen. Laut ILS erhielt KILEA im Mai 2025 den Silberpreis der EADL Innovation Awards. |
| SGD Studiengemeinschaft Darmstadt | KI-Lernbegleitung | Die Startseite stellt KILEA als KI-Lernbegleiterin vor. Auf derselben Seite steht, dass Fernlehrerinnen und Fernlehrer die Aufgaben korrigieren und bewerten. |
| Deutsche Akademie für Management | KI-Tutor | Laut Meldung beantwortet ein KI-Tutor im DAM-Campus Fragen zu den Lehrgangsinhalten und ergänzt die Lernbetreuung. Fragen außerhalb der Lerninhalte beantwortet er nicht. |
| HSB-Akademie | KI-Lernassistent | Die Startseite nennt einen „KI-gestützten Lernassistenten“ unter den Leistungen. Nähere Angaben haben wir nicht gefunden. |
| OMR Education | KI-Lernassistent | Auf den Kursseiten wird der KI-Lernassistent KIM beschrieben. Er hilft direkt in den Lektionen oder über Slack und ist laut Anbieter auf die Kursinhalte trainiert. |
| DAA-Technikum | Lern-App mit KI und Regel | Die Lern-App WilmA unterstützt laut Anbieter mit KI beim Lernen. In den FAQ steht, dass Teilnehmende KI-Assistenten wie Copilot oder ChatGPT nutzen dürfen, etwa für einen Lernplan, Zusammenfassungen der Lernskripte und die Vorbereitung von Seminarunterlagen. |
| Theologische Fernschule | Regel | Für die Studienprogramme der Global University ist auf der Kursseite eine KI-Richtlinie veröffentlicht. Generative KI darf für Aufgaben nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung der Fakultät genutzt werden. Ohne Genehmigung gilt die Aufgabe als nicht bestanden. |
| ecodemy | Verzicht | Auf den Kursseiten erklärt der Anbieter, warum er auf KI-Lernbegleiter verzichtet und stattdessen auf menschlichen Support setzt. |
Was die Zahlen zeigen
Wo die Anbieter die Funktionen beschreiben, beantworten die Lernbegleiter Fragen zum Stoff, erklären Begriffe oder erzeugen Übungen. KI bei der Korrektur nennt keiner. Die SGD schreibt ausdrücklich, dass Fernlehrerinnen und Fernlehrer korrigieren und bewerten, und aus KILEA im ILS heraus lässt sich die Fernlehrkraft direkt hinzuziehen.
Regeln für Teilnehmende sind selten. Nur zwei Anbieter sagen öffentlich, was Teilnehmende mit KI tun dürfen, und die beiden Regeln gehen in entgegengesetzte Richtungen. Das DAA-Technikum erlaubt KI-Assistenten für bestimmte Lernzwecke. Die Richtlinie der Global University verbietet KI für Aufgaben, solange keine Genehmigung vorliegt. Bei den übrigen 49 Anbietern haben wir dazu nichts gefunden. Vielleicht regeln sie das in Verträgen, Studienordnungen oder im geschlossenen Lernportal. Das konnten wir nicht prüfen.
ILS und SGD nutzen beide den Lernbegleiter KILEA, hinter den sechs Fundstellen stehen also fünf verschiedene Werkzeuge. Die Zahlen sind eine Momentaufnahme vom Oktober 2026.
Warum die Korrektur ein Sonderfall ist
Warum KI bei der Bewertung öffentlich fehlt, sagen die Anbieter nicht. Zwei Gründe liegen aus unserer Sicht nahe.
Erstens nennt die KI-Verordnung in Anhang III Nr. 3 Buchstabe b KI-Systeme, die Lernergebnisse bewerten sollen. Für diese Hochrisiko-Systeme gelten die Pflichten nach dem Digital Omnibus ab dem 02.12.2027. Ob auch ein Lernbegleiter darunter fällt, hängt davon ab, was er genau tut. Wie die Abgrenzung im Einzelfall aussieht, erklärt unser Ratgeber AI Act: Hochrisiko in der Bildung.
Zweitens ist die Korrektur bei zugelassenen Fernlehrgängen Teil der Zulassung. Im Antrag fragt die ZFU, ob die Lehrkräfte verbindliche Anweisungen für die Korrektur erhalten (Anlage III-4). Wer die Korrektur umstellt, ändert also einen geprüften Teil des Lehrgangs. Was das bis zur geplanten Abschaffung des FernUSG bedeutet, steht in unserem Überblick FernUSG und KI-Korrektur. Die Abschaffung ist bisher nur ein Referentenentwurf.
Checkliste: Was eine KI-Regel für Teilnehmende klären sollte
Die beiden veröffentlichten Regeln zeigen, welche Punkte eine solche Regel abdecken kann. Wenn Sie selbst eine schreiben, gehen Sie diese Fragen durch:
- Erlaubte Zwecke: Wofür ist KI ausdrücklich erlaubt, zum Beispiel Lernplan, Zusammenfassung oder Übungsfragen?
- Einsendeaufgaben: Gilt für bewertete Aufgaben etwas anderes als fürs Lernen? Sagen Sie das ausdrücklich.
- Genehmigung oder Kennzeichnung: Muss die Nutzung vorher beantragt oder in der Abgabe angegeben werden?
- Folgen: Was passiert bei einem Verstoß? Die Global University etwa wertet die Aufgabe als nicht bestanden.
- Eigene KI-Werkzeuge: Wenn Sie einen Lernbegleiter anbieten, was darf er bei Einsendeaufgaben leisten und was nicht?
- Geltungsbereich und Stand: Für welche Lehrgänge gilt die Regel, und wann wurde sie zuletzt geändert?
Ob eine solche Regel in Ihren Teilnahmevertrag gehört und wie sie formuliert sein muss, klären Sie bitte mit Ihrer Rechtsberatung.
Methode und Grenzen
Am 19.10.2026 stand das Mitgliederverzeichnis des Bundesverbands der Fernstudienanbieter mit 73 Einträgen online. Herausgenommen haben wir 10 Hochschulen und Hochschulverbünde, 2 Technikdienstleister, 2 Vergleichsportale, 1 Zertifizierungsstelle, 3 Angebote für schulpflichtige Kinder und Jugendliche und 1 Eintrag ohne Website. Übrig blieben 54 Fernschulen und Weiterbildungsanbieter. Ob jeder einzelne Anbieter einen ZFU-zugelassenen Lehrgang führt, haben wir nicht geprüft.
Je Website hat ein Skript die Startseite, die Sitemap und verlinkte Seiten abgerufen, höchstens 160 Seiten je Anbieter, insgesamt 5.351 Seitenadressen. Seiten mit Wörtern wie Ablauf, FAQ, Campus oder KI in der Adresse kamen zuerst an die Reihe. Gesucht wurde nach Begriffen wie KI, künstliche Intelligenz, ChatGPT, Lernassistent oder Chatbot. Die Treffer haben wir nach Stichworten gefiltert und von Hand gesichtet. Jeden gezählten Treffer haben wir am 21.10.2026 an der Originalseite nachgeprüft. Treffer, bei denen KI nur Thema eines Kurses, eines Blogbeitrags oder eines Website-Chatbots war, haben wir nicht gezählt.
Drei Websites waren nicht erreichbar: Zwei blockierten den Abruf, bei einer ließ sich die Adresse aus dem Verzeichnis nicht auflösen. Bei 25 Anbietern endete der Abruf an der Grenze von 160 Seiten, eine Website lieferte nur zwei Seiten. PDFs, Verträge, Studienordnungen und geschlossene Lernportale haben wir nicht durchsucht. Kein Fund heißt deshalb nur, dass auf den geprüften Seiten nichts dazu stand. Verbandsmitglieder sind keine Zufallsstichprobe aller Fernschulen in Deutschland.
Ein Anbieter fehlt oder ist falsch eingeordnet? Schreiben Sie uns mit Link an kontakt@provehor.com. Wir prüfen den Hinweis und passen die Tabelle mit Datum an.
Was das für Ihre Korrektur heißt
Unter den geprüften Anbietern beschreibt bisher keiner öffentlich, wie er KI in der Korrektur einsetzt. Wer damit anfängt, sollte den Einsatz prüfbar machen: mit einem schriftlichen Bewertungsmaßstab je Aufgabe, einer menschlichen Freigabe jeder Note und Bewertungsvorschlägen, deren Begründung sich nachlesen lässt. Wie Sie den Maßstab aufbauen, zeigt unser Ratgeber Erwartungshorizont erstellen. Wie die Korrektur-Engine von Provehor Bewertungsvorschläge vorbereitet und die Entscheidung bei Ihren Korrektoren lässt, steht auf der Produktseite.
Quellen
- Bundesverband der Fernstudienanbieter: Unsere Mitglieder (abgerufen am 19.10.2026)
- ILS: KILEA – deine persönliche Lernbegleitung und Auszeichnungen
- SGD: Startseite (KILEA, Ablauf der Korrektur)
- Deutsche Akademie für Management: Neuer KI-Tutor unterstützt Teilnehmende
- HSB-Akademie: Startseite
- OMR Education: E-Learning-Kurs Agile Prinzipien und Methoden (KI-Lernassistent KIM)
- DAA-Technikum: FAQ und Industriemeister (Lern-App WilmA)
- Theologische Fernschule: Kurse (KI-Richtlinie der Global University)
- ecodemy: Longevity Basics
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Anhang III Nr. 3
- Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus zur KI), ABl. L, 2026/1744; EU-Kommission: Navigating the AI Act (Hochrisiko-Regeln ab 02.12.2027)
- ZFU: Vordruck Zulassungsantrag (Stand 01/2024, Anlage III-4)
- BMBFSFJ: Referentenentwurf zur Modernisierung und Entbürokratisierung des Fernunterrichts (Bearbeitungsstand 17.08.2026)