RATGEBER / KI-KORREKTUR

Klausuren korrigieren in der Weiterbildung: Ablauf, Maßstab, Zeitbedarf

Übungs- und Einsendeklausuren kosten Bildungsanbieter in jeder Runde viele Korrekturstunden. Hier steht, wie Sie die Korrektur organisieren, nach welchem Maßstab Sie bewerten und wie Sie die Rückgabezeit abschätzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Legen Sie den Maßstab vor dem Einsendetermin fest: Erwartungshorizont, Bewertungsraster und Notenschlüssel.
  • Die Musterprüfungsordnung des BIBB-Hauptausschusses für Fortbildungsprüfungen sieht einen 100-Punkte-Schlüssel vor. Wer seine Übungsklausuren genauso bewertet, macht den Stand der Teilnehmenden mit der Prüfung vergleichbar.
  • Für Abweichungen zwischen zwei Korrektoren gibt § 42 Abs. 5 BBiG eine brauchbare Regel vor: Bis 10 Prozent der erreichbaren Punkte zählt der Durchschnitt, darüber entscheidet eine dritte Person.
  • Die ZFU fragt im Zulassungsantrag nach der Rückgabezeit für Einsendeaufgaben und nennt in der Regel 2 Wochen. Ob Sie das schaffen, hängt an Minuten pro Arbeit und verfügbaren Korrekturstunden.
  • Antworten und Randbemerkungen sind personenbezogene Daten der Teilnehmenden (EuGH, C-434/16).

Wer in der Weiterbildung Klausuren korrigiert

Die eigentliche Kammerprüfung bewertet der Prüfungsausschuss. So steht es für die Abschlussprüfung in § 42 BBiG. Bildungsanbieter korrigieren die Klausuren davor: Übungsklausuren im Lehrgang, Probeklausuren vor der Prüfung und in Fernlehrgängen die Einsendeaufgaben. Ihre Bewertung ist keine Prüfungsentscheidung. Für Teilnehmende zeigt sie trotzdem, ob sie für die Prüfung bereit sind.

Daraus folgen zwei Anforderungen. Die Korrektur muss denselben Maßstab anlegen wie die spätere Prüfung, sonst führt sie in die falsche Richtung. Und sie muss rechtzeitig zurückkommen, solange Teilnehmende mit dem Feedback noch etwas anfangen können.

Der Ablauf in sechs Schritten

  1. Maßstab festlegen. Erwartungshorizont, Punkteverteilung und Notenschlüssel liegen vor dem Einsendetermin fest. Wie das geht, zeigt der Beitrag Erwartungshorizont erstellen.
  2. Arbeiten erfassen und verteilen. Jede Arbeit bekommt eine Kennung, eine zuständige Person und einen Status. Dazu mehr unter Korrekturarbeiten im Team verteilen.
  3. Erstkorrektur nach Raster. Punkte werden je Kriterium vergeben und kurz begründet. Ein Beispiel für ein solches Raster steht im Beitrag Bewertungsraster für Freitext.
  4. Zweitsicht, wo sie zählt. Grenzfälle an der Bestehensgrenze, nicht bestandene Arbeiten und eine Stichprobe sieht eine zweite Person an. Wie groß die Stichprobe sein sollte, beschreibt Stichproben planen.
  5. Rückgabe mit Feedback. Teilnehmende sehen Punkte je Aufgabe, Randbemerkungen und einen Hinweis, was sie als Nächstes üben sollten.
  6. Rückfragen auswerten. Häufen sich Rückfragen zu einer Aufgabe, ist oft der Maßstab unklar. Ändern Sie ihn dann für die nächste Runde und halten Sie die Änderung fest. Wie, steht in Korrekturmaßstäbe versionieren.

Der Maßstab: Erwartungshorizont, Raster, Notenschlüssel

Ein Erwartungshorizont beschreibt, was eine gute Antwort enthält. Das Bewertungsraster verteilt die Punkte auf Kriterien. Der Notenschlüssel übersetzt Punkte in Noten. Fehlt eines davon, bewertet jede Korrektorin und jeder Korrektor nach eigenem Gefühl.

Für den Notenschlüssel lohnt der Blick auf die Prüfung, auf die Ihr Lehrgang vorbereitet. Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung hat in seiner Musterprüfungsordnung für Fortbildungsprüfungen nach dem BBiG vom 15.12.2021 einen Hundert-Punkte-Schlüssel empfohlen (§ 21). Er gilt dort für alle Prüfungsleistungen und für Zwischen- und Gesamtergebnisse. Verbindlich ist für Ihre Teilnehmenden die Prüfungsordnung der jeweils zuständigen Kammer. Prüfen Sie dort, welchen Schlüssel sie verwendet.

PunkteNoteBeschreibung nach § 21 MPO-F-BBiG
92 bis 100sehr guteine Leistung, die den Anforderungen in besonderem Maß entspricht
81 bis 91guteine Leistung, die den Anforderungen voll entspricht
67 bis 80befriedigendeine Leistung, die den Anforderungen im Allgemeinen entspricht
50 bis 66ausreichendeine Leistung, die zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht
30 bis 49mangelhafteine Leistung, die den Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen lässt, dass gewisse Grundkenntnisse noch vorhanden sind
0 bis 29ungenügendeine Leistung, die den Anforderungen nicht entspricht und bei der selbst Grundkenntnisse fehlen

Die Musterprüfungsordnung ordnet jedem Punktwert zusätzlich eine Dezimalnote von 1,0 bis 6,0 zu. Die Tabelle fasst sie zu Notenstufen zusammen.

Fernlehrgänge mit ZFU-Zulassung haben einen Teil dieser Arbeit schon erledigt. Der Zulassungsantrag fragt, ob die Korrigierenden verbindliche Anweisungen für die Korrektur erhalten (Anlage III-4) und nach welchem Bewertungssystem die Leistungen beurteilt werden. Diese Unterlagen sind ein guter Ausgangspunkt für ein Raster.

Zweitkorrektur: eine Regel für Abweichungen

Zwei Korrektoren kommen bei derselben Arbeit selten auf genau dieselbe Punktzahl. Sie brauchen deshalb vorher eine Regel, was bei Abweichungen gilt. Für Prüfungen nach dem BBiG steht eine solche Regel im Gesetz. Nach § 42 Abs. 5 BBiG können zwei Mitglieder des Prüfungsausschusses schriftliche Leistungen selbstständig und unabhängig bewerten. Weichen ihre Bewertungen um nicht mehr als 10 Prozent der erreichbaren Punkte voneinander ab, gilt der Durchschnitt. Bei größerer Abweichung bewertet ein vorab bestimmtes weiteres Mitglied endgültig. Die Musterprüfungsordnung übernimmt das für Fortbildungsprüfungen (§ 22 Abs. 4).

Für Übungsklausuren ist die Regel nicht vorgeschrieben. Sie lässt sich aber direkt übernehmen: Bei 100 erreichbaren Punkten liegen 72 und 80 Punkte innerhalb der Grenze, das Ergebnis ist 76. Bei 64 und 78 Punkten liegt die Abweichung über 10 Punkten, dann entscheidet eine dritte Person. Werten Sie solche Fälle aus. Wo zwei Korrektoren oft weit auseinanderliegen, ist meistens der Erwartungshorizont zu ungenau.

Zeitbedarf: Wie lange dauert die Korrektur einer Runde?

Für die Rückgabezeit gibt es außerhalb von Prüfungsordnungen keine gesetzliche Frist. Einen Anhaltspunkt liefert die ZFU: Ihr Zulassungsantrag fragt, innerhalb welcher Zeit Teilnehmende eingesandte Lösungen korrigiert zurückerhalten, und nennt dabei „in der Regel 2 Wochen“. Für die Minuten pro Arbeit gibt es wenige öffentliche Werte. Die FernUniversität in Hagen setzt in Mathematik im Wintersemester 2026/27 40 Minuten je korrigierter Einsendung an und schließt mit Korrektoren in der Regel Werkverträge über höchstens 50 Monatsstunden.

Der Rechner schätzt, wie viele Stunden eine Runde braucht und wie viele Wochen bis zur letzten Rückgabe vergehen. Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein.

Tragen Sie Anzahl, Minuten, Personen und Wochenstunden ein.

So rechnet der Rechner: Anzahl mal Minuten ergibt die Erstkorrektur. Dazu kommt der Anteil mit Zweitsicht mal die Minuten dafür. Die Summe in Stunden geteilt durch die Korrekturstunden aller Personen pro Woche ergibt die Wochen bis zur letzten Rückgabe. Die Beispielwerte sind angenommen: 120 Klausuren zu je 40 Minuten sind 80 Stunden. 10 Prozent Zweitsicht zu je 20 Minuten bringen 4 Stunden dazu. Drei Personen mit je 10 Stunden pro Woche brauchen für 84 Stunden 2,8 Wochen. Wer die 2 Wochen halten will, braucht in diesem Beispiel mehr Korrekturstunden oder weniger Minuten pro Arbeit. Was die Stunden kosten, rechnet der Kostenrechner für die Klausurkorrektur aus.

Klausuren korrigieren lassen: die Optionen

Reicht die eigene Kapazität nicht, gibt es drei Wege. Sie können freie Korrektoren beauftragen, die Korrektur an einen Dienstleister geben oder sich von einer KI einen Korrekturvorschlag vorbereiten lassen, den Ihre Korrektoren prüfen. Alle drei Wege brauchen denselben festen Maßstab, sonst bewertet jede neue Person anders. Kosten, Vertragsfragen und Kontrolle vergleicht der Beitrag Korrektur auslagern: Freie Korrektoren, Dienstleister oder KI?

Datenschutz bei der Rückgabe

Der Europäische Gerichtshof hat am 20.12.2017 entschieden (C-434/16, Nowak): Die schriftlichen Antworten in einer berufsbezogenen Prüfung und etwaige Anmerkungen des Prüfers sind personenbezogene Daten des Prüflings. Er hat grundsätzlich ein Auskunftsrecht. Das Urteil erging noch zur alten Datenschutzrichtlinie. Für die Praxis heißt das: Schreiben Sie Randbemerkungen so, dass Teilnehmende sie lesen können, und bewahren Sie Klausuren nur so lange auf, wie Sie sie brauchen. Wer Dienstleister oder KI-Systeme einbindet, findet die Prüfpunkte in der DSGVO-Checkliste für Bildungsträger.

Wo eine KI-Korrektur ansetzt

Unsere Korrektur-Engine setzt bei Schritt 3 an. Sie bereitet nach Ihrem Erwartungshorizont einen Vorschlag mit Punkten je Kriterium und Randbemerkungen vor. Ihre Korrektorin oder Ihr Korrektor prüft ihn, ändert ihn bei Bedarf und gibt ihn frei. Die Schritte 1, 4 und 6 bleiben bei Ihnen. Ohne festen Maßstab hilft auch eine KI nicht. KI-Systeme, die Lernergebnisse bewerten, stehen in Anhang III Nr. 3 der KI-Verordnung. Nach dem Digital Omnibus gelten die Hochrisiko-Pflichten dafür ab dem 02.12.2027. Was das für Bildungsanbieter bedeutet, steht im Beitrag AI Act Hochrisiko Bildung.

Diese Seite gibt eine allgemeine Orientierung zum Stand 26.10.2026 und ist keine Rechtsberatung. Maßgeblich für Prüfungen ist die Prüfungsordnung der zuständigen Stelle. Ob und wie DSGVO oder KI-Verordnung auf Ihr Angebot anzuwenden sind, klären Sie im Einzelfall mit fachkundiger Beratung.

Quellen

Häufige Fragen

Klausuren korrigieren, kurz beantwortet.

Allgemeine Antworten zum Stand 26.10.2026. Ihre Prüfungsordnung und Ihre eigenen Zahlen gehen vor.

Wie lange dauert es, eine Klausur zu korrigieren?

Das hängt von Umfang und Aufgabentyp ab. Ein belegter Vergleichswert: Die FernUniversität in Hagen setzt in Mathematik 40 Minuten je korrigierter Einsendung an. Messen Sie die eigenen Minuten je Aufgabentyp, bevor Sie Rückgabetermine zusagen.

Wie schnell sollten Teilnehmende ihre Klausur zurückbekommen?

Eine feste Frist gibt es außerhalb von Prüfungsordnungen nicht. Die ZFU fragt im Zulassungsantrag für Fernlehrgänge, innerhalb welcher Zeit korrigierte Einsendeaufgaben zurückgehen, und nennt dabei in der Regel 2 Wochen. Daran können sich auch andere Anbieter orientieren.

Braucht jede Klausur eine Zweitkorrektur?

Für Übungsklausuren schreibt das niemand vor. Sinnvoll ist eine Zweitsicht bei Grenzfällen, bei nicht bestandenen Arbeiten und in einer Stichprobe. Als Regel für Abweichungen eignet sich das Vorbild aus § 42 Abs. 5 BBiG: Bis 10 Prozent der erreichbaren Punkte zählt der Durchschnitt, darüber entscheidet eine dritte Person.

Dürfen Teilnehmende ihre korrigierte Klausur einsehen?

Nach dem Urteil des EuGH vom 20.12.2017 (C-434/16, Nowak) sind die schriftlichen Antworten in einer berufsbezogenen Prüfung und die Anmerkungen des Prüfers personenbezogene Daten des Prüflings. Er hat grundsätzlich ein Auskunftsrecht. Schreiben Sie Randbemerkungen deshalb so, dass Teilnehmende sie lesen können.

Kann man Klausuren von einer KI korrigieren lassen?

Eine KI kann einen Korrekturvorschlag mit Randbemerkungen und Punkten vorbereiten. Die Bewertung sollte eine Korrektorin oder ein Korrektor prüfen und freigeben. Voraussetzung ist ein festgelegter Maßstab. KI-Systeme, die Lernergebnisse bewerten, stehen in Anhang III Nr. 3 der KI-Verordnung; die Pflichten dafür gelten ab dem 02.12.2027.

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